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Literatur - Satire



Heinrich Heine

Gib mir Küsse, gib mir Wonne - Frivole Gedichte"
von Heinrich Heine

Heike Linde-Lembke

Die Dame liegt auf dem Rücken, lässt die Beine hoch durch die Luft kreisen und ist ganz aus Gold auf Rot. Sünde signalisiert der Gedichtband, den der Aufbau-Verlag mit „Gib mir Küsse, gib mir Wonne – Frivole Gedichte“ von Heinrich Heine auflegte. Das Buch ist eine längst überfällige Sammlung der frivol-erotischen Gedichte Heines, die er einst selbst zensierte, indem er sie in eine humoristische, ironische Form fasste.
Doch deren überlegene Heiterkeit machte Heines Kritiker noch zorniger als die Urformen seiner erotischen Gedichte. Der Aufbau-Verlag legte endlich die Originale in einem Band vor, der schon durch seine verheißungsvolle Optik ein sinnliches Vergnügen verspricht. Zudem ist jedem Gedicht in dem edel aufgemachten Buch eine Seite gewidmet, auch wenn es ein Vierzeiler ist.
Schnell galt Heinrich Heine seinen deutschen Landsleuten als Vaterlandsverräter, gleichwohl der den Vorwurf der Unsittlichkeit mit den „Römischen Elegien“ von Johann Wolfgang von Goethe parieren konnte. Doch als er Anfang 1833 in der Berliner Zeitschrift „Der Freimüthige“ den Zyklus „Verschiedenes“ mit
21 Gedichten veröffentlichte, in denen er Liebeskonstellationen mit deutlichem Vergnügen beschrieb, und diese elf Jahre später auch noch unter dem Titel „Neue Gedichte“ erweiterte und erneut edierte, wurde dem nun in Paris lebenden Heine endgültig die Rückkehr nach Deutschland verleidet. Ganz zu schweigen vom Antisemitismus, der dem jüdischen Dichter Deutschlands immer wieder entgegen schlug.
Auch spätere Herausgeber scheiterten allzu oft an Heines Gedichten, beispielsweise diesem köstlichen Vers: „Sie saßen in süßer Vereinigung und liebten sich ganz ätherisch. Sie hatte ihre Reinigung, er aber war venerisch.“ Heine liebte die Frauen, Heine liebte Deutschland, und Heine liebte Hamburg. Aber er wurde nicht zurückgeliebt und starb in seiner Pariser Dachkammer elendig, doch aufrechten Denkens am 17. Februar 1856.
Heinrich Heine ist ein großes Vorbild, dessen erotische Gedichte viel Vergnügen bereiten.
 
Heinrich Heine „Gib mir Küsse, gib mir Wonne: Erotische Gedichte“, Aufbau-Verlag, Berlin, 166 Seiten, zehn Euro.